MORTIFICATIO – Die Schwelle des Loslassens
Raum für das Neue entsteht in der Leere
Die vierte Schwelle der Transformationsreise ist eine tiefgreifende Einladung: loszulassen.
Nachdem wir in der KLEINEN CONIUNCTIO ein bewusstes Ja zu unserer Intention gesprochen haben, begegnen wir nun der Konsequenz dieser Entscheidung. Verbindlichkeit bedeutet immer auch Verzicht – auf Möglichkeiten, Gewohnheiten, Sicherheiten und Identitäten, die nicht länger zu unserem Weg gehören.
Jede bewusste Entscheidung verändert unsere Beziehung zu dem, was bisher selbstverständlich war. Was uns einmal getragen hat, kann nun selbst zum Hindernis weiterer Entwicklung werden.
Diese Phase ist nicht bequem. Sie konfrontiert uns mit Verlust, Trauer, Leere und Kontrollverlust. Doch genau in dieser Dunkelheit – in der Nigredo der Transformation – liegt der Keim für das Neue. Loslassen bedeutet nicht, etwas zu verlieren. Es bedeutet, Raum zu schaffen für das, was erst entstehen kann, wenn das Alte nicht länger festgehalten wird.
Sterben lassen, was uns zurückhält
Die Kunst der Mortificatio
Das alchemistische Prinzip der MORTIFICATIO beschreibt den notwendigen Prozess des inneren Sterbens. Es bedeutet, überlebte Identitäten, vertraute Selbstbilder, Erfolgsdefinitionen und Sicherheitskonzepte bewusst loszulassen, damit ein tieferes, wahrhaftigeres Selbst sichtbar werden kann.
Verbindlichkeit ist keine Frage der Willenskraft. Sie ist Ausdruck einer tiefen Verbundenheit mit dem, was in unserem Leben Gestalt annehmen möchte. Doch diese Verbundenheit verlangt Hingabe. Das Neue kann sich erst entfalten, wenn wir bereit sind, das Alte freizugeben – mit allem Schmerz, aller Unsicherheit und allem Mut, den dieser Schritt erfordert.
Loslassen heißt nicht aufgeben – sondern freigeben.
Wir arbeiten mit dem inneren Bild des Drachen als Symbol für jene Kräfte, die uns unbewusst steuern: Ängste, Schutzmechanismen, alte Verletzungen und reaktive Muster. Dem Drachen zu begegnen bedeutet nicht, ihn zu vernichten, sondern seine Energie bewusst in den Dienst unserer Intention zu stellen. So entsteht die Freiheit, nicht länger aus der Reaktion heraus zu handeln, sondern aus Präsenz und bewusstem Gewahrsein.
Raum geben · Würdigen · Integrieren
In diesem Modul schaffen wir einen geschützten Erfahrungsraum für alles, was gehen darf – und für das, was sich erst zeigen möchte.
Gemeinsam erforschen wir,
den Preis unserer Selbstverbindlichkeit bewusst anzuerkennen,
das Bisherige zu würdigen – Beziehungen, Leistungen, Rollen und Identitäten,
Trauer zuzulassen – in Stille, Achtsamkeit und gemeinschaftlicher Präsenz,
durch Vergebungsarbeit alte Konflikte und Bindungen zu lösen,
Glaubenssätze zu hinterfragen und neue innere Freiheit zu entwickeln.
Vergebung ist ein Schlüssel dieses Prozesses. Nicht für andere – sondern für dich selbst.
Vergebung bedeutet nicht, Vergangenes gutzuheißen. Sie bedeutet, die Bindung an das Vergangene zu lösen, damit neue Entwicklung möglich wird. Sie befreit uns von Groll, Selbstverurteilung und dem Festhalten an Geschichten, die ihre Bedeutung verloren haben. So entsteht eine neue Beziehung zu uns selbst und zu dem, was werden will.
DU · WIR · ES
In Beziehung mit dem, was gehen will
DU
Du erkennst, was du loslassen musst, um deinen Weg weiterzugehen: alte Rollen, Selbstbilder, Sicherheiten und Gewissheiten. Du begegnest der Angst vor Verlust und Leere und entwickelst die Fähigkeit, dich selbst auch in Zeiten des Übergangs bewusst zu halten.
Gerade im Loslassen entsteht die Erfahrung, dass Identität nicht an Rollen oder Sicherheiten gebunden ist, sondern aus einer tieferen Verbundenheit mit deiner Intention erwächst.
Du entwickelst eine Praxis von Achtsamkeit, Zentrierung und innerem Raum.
WIR
Gemeinsam gestalten wir einen rituellen Rahmen, in dem Trauer, Entschleunigung und emotionaler Ausdruck ihren Platz finden dürfen. Die Gruppe wird zur Zeugin des Loslassens und zur Quelle von Mitgefühl, Resonanz und Halt.
Wir lernen, einander in Verletzlichkeit zu begegnen – nicht im Funktionieren, sondern im Menschsein. Gerade darin entsteht Vertrauen als Grundlage gemeinsamer Entwicklung.
ES
Auch Organisationen, Teams und gesellschaftliche Systeme kennen Schwellen des Loslassens. Strukturen, Narrative oder Routinen können ihre entwicklungsfördernde Funktion verlieren und dennoch fortbestehen.
Wir lernen, diese Prozesse wahrzunehmen und Übergänge so zu begleiten, dass Altes würdevoll verabschiedet werden kann und Neues entstehen darf. Transformation bedeutet dabei nicht, Vergangenes abzuwerten, sondern seinen Beitrag zu würdigen und bewusst weiterzugehen.
Facilitation-Kompetenz vertiefen
Loslassen gehört zu den anspruchsvollsten Phasen jeder Transformation. Professionelle Facilitation bedeutet, Menschen und Systeme in diesen Übergängen achtsam zu begleiten – ohne Prozesse zu beschleunigen oder festzuhalten.
In diesem Modul vertiefst du deine Fähigkeit, Übergänge bewusst zu begleiten, Trauer und Unsicherheit als Teil von Entwicklung anzuerkennen und Prozesse so zu unterstützen, dass Loslassen zu einer Quelle neuer Möglichkeiten werden kann.
So entsteht eine wesentliche Kompetenz professioneller Transformationsbegleitung: Vertrauen in den Prozess zu entwickeln und Räume zu schaffen, in denen Entwicklung ihren eigenen Weg finden kann.
Die Schwelle des Loslassens
Wenn Hingabe zur Kraft wird
Dieses Modul markiert eine der tiefsten Schwellen der Transformationsreise.
Aus Selbstverbindlichkeit wird Hingabe. Aus Festhalten wird Vertrauen. Aus Abschied entsteht Raum für das, was sich neu entfalten will.
Loslassen ist kein Akt der Schwäche. Es ist die bewusste Entscheidung, dem Leben mehr zu vertrauen als den eigenen Sicherheiten.
Bist du bereit, den Mut des Loslassens zu leben?
LEHR-FACILITATION: Iris von Tiedemann
CO-FACILITATION: Maya Puig
Teilnahmegebühr:
3-tägiges Modul: 1.100 € zzgl. MwSt.
Ein begrenztes Kontingent an Sonderplätzen zu 700 € zzgl. MwSt. steht für Wiederholer:innen oder auf Anfrage zur Verfügung.